Königlich  Privilegierte  Schützengesellschaft  Lindau

Textfeld: Vereinsgeschichte
Textfeld: 1397 bis 15. Jahrhundert

Hier erwartet Sie ein Abriß unserer nun schon mehr als 600jährigen Vereinsgeschichte.

Allen denjenigen, die sich noch intensiver mit unserer kgl. priv. Schützengesellschaft befassen wollen oder einfach einen noch tieferen Einblick in die Geschichte unserer Gesellschaft werfen möchten, sei an dieser Stelle einen Hinweis auf unsere Festschrift, die wir zum 600jährigen Jubiläum unserer Schützengesellschaft verfaßt und herausgegeben haben, gestattet. Diese Festschrift ist über unsere Funktionäre (siehe INFO Rubrik „Kontakte“) erhältlich.

 

Als Bürger mußten die Einwohner des Marktes und später der Stadt Lindau schon seit frühester Zeit eine persönliche Bewaffnung nachweisen. Beim Erwerb des Bürgerrechts und vor einer Heirat oder dem Erwerb einer Meisterstelle mußte der Bürger in vollständiger Bewaffnung antreten und wurde vom Rat der Stadt gemustert. Denn alle Bürger waren wehrpflichtig, d.h. zur Verteidigung des jeweiligen Ortes verpflichtet. Hinzu kam oft, besonders bei den freien Bauern des Festlandes, eine Abhängigkeit vom jeweiligen Lehensherren, zu der auch die Heerfolge gehörte. Wollte ein Bürger Teile seiner Ausrüstung verkaufen oder auch nur wesentlich ändern, so mußte er daher die Erlaubnis der jeweiligen Vorgesetzten einholen. Die traditionelle Bewaffung der Alemannen im Bodenseegebiet war dabei seit Jahrhunderten neben Helm, Brünne bzw. Brustpanzer und Schild die Lanze, gelegentlich eränzt durch eine Axt. Als Fernwaffe wurde der Speer geworfen, nur sehr selten wurde ein kurzer Bogen als individuelle Zusatzbewaffnung geführt.

Eine Änderung dieser Gewohnheit bahnte sich erst an, als ab 1100 in Europa die ersten wirkungsvollen Armbrüste entwickelt wurde. Mit speziellen Vorrichtungen gespannt, konnte die Armbrust auch die stärksten Ritterrüstungen mühelos durchschlagen, weshalb die Verwendung der Armbrust gegen christliche Feinde vom zweiten Lateran-Konzil im Jahr 1139 unter Androhnung des Bannes verboten wurde. Die Armbrust verbreitete sich dennoch, vor allem unter den sowieso landfremden Söldnern, die eine Exkommunkation nicht zu scheuen brauchten. Salonfähig und damit als bürgerliche Bewaffnung zulässig wurde die Armbrust aber erst, als der Gedanke verbreitet wurde, daß Bürger und adelige Ritter vor Gott wertgleich seien. Die Idee der Wertgleichheit einfacheren Lebens - und damit einfacher Leute - wurde in Süddeutschland zuerst vom Möchsorden der Franziskaner verbreitet. Dieser Orden baute in Lindau ab 1223 eine Niederlassung auf, so daß 1239 das Kloster der “Barfüsser” eingeweiht werden konnte. Zwar wird sich in der Folge auch in Lindau der Gebrauch der Armbrust verbreitet haben, ob sich aber noch im 13. Jahrhundert eine von den Barfüssern angeregte Schützenbruderschaft gebildet hat (wie Freiherr von Lachner vermutet), ist zweifelhaft. Will man nicht einfach das Beispiel anderer Städte in Süddeutschland, wo sich vielfach bald nach der Gründung deines Franziskanerklosters eine Schützenbruderschaft bildete, als Beweis gelten lassen, so kann man die Gründung einer genossenschaftlich organisierten bürgerlichen Schützengilde in Lindau doch zeitlich eingrenzen, auch wenn kein exaktes Gründungsdatum überliefert ist.

Um 1325 waren die Armbrüste noch den Zunftmeistern der jeweiligen Berufe überwiesen gewesen, die sie zur Verteidigung ihres jeweiligen Mauerabschnittest bereitzuhalten hatten. Ein gemeinsames Übungsschießen wurde damit nicht durchgeführt, da die Zünfte sich eifersüchtig voneinander abzugrenzen pflegten.

Als frühestes sinnvolles Datum für die Gründung einer allgemeinen Schützengesellschaft muß 1345 angesehen werden, da sich in diesem Jahr die Lindauer Handwerker-Bürger im ersten Rienolt-Aufstand von den Patriziern der Stadt das Recht ertrotzten, eigenrechtliche Gesellschaften und Genossenschaften zu gründen.

Das Jahr 1396, in dem die Stadt Lindau die letzten zuz Stauts einer freien Rechsstadt gehörenden Rechte erwirbt und damit nicht nur die Hohe und die Niedere Gerichtsbarkeit, sondern auch die Vogtei und die unumschränkte Wehrhoheit besitzt, bildet den Abschluß einer Entwicklung, in deren Verlauf sich die Stadt um das Entstehen einer eigenen Schützengruppe bemühen mußte. Denn nun ist sie nicht nur voll für die eigene Verteidigung zustündig, sonder dem jeweiligen Kauser auch die Hherfolge (nach den Reismatrikeln war das eine SChützengruppe mit einer “Karrenbüchse”) schuldig. Für den wirksamen Gebruach der Armbrust was allerdings, wegen der stark gekrümmten Flugbahn der Bolzen und der damals noch fehlenden Visiereinrichtung, sändige Übung Voraussetzung.

Damit ergab sich für die Stadt die Notwendigkeit, bereits in Friedenszeiten das Übungsschießen mit der Armbrust zu fordern, um im Verteidigungsfall auf einen Grundstock erfahrener Schützen zurückgreifen zu können. Und umd ieses Übungsschießen sicherzustellen, war die Stadt Lindau gezwungen, eine etwas schon bestehende Schützengilde nach Kräften zu fordern oder notfalls selbst eine zu gründen, da ohne Geselligkeit, Kameradschaft und sprtlichen Wettbewerb mit Unterhaltungswert die wehrpflichtigen Bürger schnell den Spaß am nur dienstlich verordneten Übungsschießen verloren hätten. In den folgenden Jahrhunderten hat die Stadt dann auch mit schöner Regelmäßigkeit interessante Preise gestiftet, um das Interesse der Bürger am Schießen wachzuhalten.

Der erste schriftliche Nachweis eines Schießens in Lindau datiert dann auch von 1397 und zeigt, daß die Stadt Lindau sich für Ihre “Schießgesellschen” Armbrüste und Zubehör zum Schießen stiften läßt: “... Egli Renner auf Senftenau 20 Schilling Steuer, dazu eine Armbrust. Seinmaier 30 Schilling und eine Armbrust mit Winde. Bentz von Lochen ebensoviel dazu ein Schock guter Pfeile geben...”

15. Jahrhundert

Die erste Urkunde, die zeigt, daß es sich bei der Lindauer Schützengruppe um eine eigene, von der Stadt Lindau nur lose abhöngige Organisation handelt, beschreibt, daß im Jahre 1419 die Schießhütte der “gemeinen Schießgesellschen” (= allgemeine Schützen), die sich an der Achbrücke befindet, mit einer Mauer umgeben wird.

1426 besucht eine Gruppe der Lindauer Armbrustschützen des Preisschießen in Ulm.

In den Jahren 1432, 1435, 1445 und 1451 nehmen Lindauer Schützen an den Schießen zu Augsburg teil und bei Seegförne im Jahr 1435 messen die Lindauer Armbrustschützen über den zugefrorenen See hinweg die Entfernung Lindau - Fußach: Von der Pfahlreihe der Stadt Lindau benötigen die Schützen J. Schneider und Kitzlin 21 Schuß zu je etwas 410 (Schritt) bis nach Fußach: also 8600 (Schritt).

1447 war ein großes Schießen zu Memmingen “mit der Armbrust, darauf zugen Etliche von Lindau, deren Einer eine silberne Schale um 7 Gulden gewann und wäret das Schießen 8 Tage. Man schenkte den Schütezn 66 Maß Wein und ein Pfund Brot täglich; der Schützen waren 164.” 1467 nehmen 3 Lindauer Schützen am Preisschießen in München teil.

 

Textfeld: 2. Vom 16. bis 17. Jahrhundert

16. Jahrhundert

Um 1500 etwas müssen sich die Armbrustschützen von den Büchesschützen getrennt und am Giebelbach eine eigene Schießstättte, die “Stachelhütte” erreichtet haben, während die Büchsenschützen den Schießstand an der Achmündung beibehielten. In Augsburg gewinnt 1506 “ein Bürger von Lindau, heiß Herich Götzis das Best mit der Büchs, war 110 Gulden .” Beim Schießen des Jahes 1508 mit “krummen Hacken”, bei dem imerhin 916 SChützen gezählt werden, gewinnt ein Lindauer Bürger, Heinrich Merk, mit 108 Freischüssen das Best mit 108 Gulden. Von einer sogenannten “ Buben Stachel-Hütte” wird der erste Schießunfall in Lindau überliefert: 1513 soll dort Melchior Senn einen anderen Knaben namens Gorg Öler mit einem Bolzen erschossen haben.

Im Jahr 1522 dürften sich die beiden Gesellschaften wieder vereinigt haben, denn die Chronik berichtet von diesem Jahr: “Im August führte man der Armbrustschützen Trinklauben auf deiner Lödi um die Stadt herum, und setzte sie in der Büchsenschützen Gärtle, da macht man auch die Schießhütten, auf den Platz.” Aus dem Jahr 1522 datiert auch die älteste Schützenordnung der Gesellschaft, die bis 1780 nur geringfügig verändert wird.

Das Armbrustschießen nimmt an Beduetung ab und die Lindauer Schützen besuchen fleißig die Schießen befreundeter Städte: “Anno 1527 zogen viele gute Gesellen von Lindau gen Sankt Gallen auf ein Schießen, brachten aber kein Kleinohd mit hierher.” Auf den 15. August 1531 reisen die Lindauer Schützen auf ein Schießen nach Kempten. 1576 werden die Lindauer Schützen auf das berühmte Büchsen-Schießen von Straßburg eingeladen, wo sie am “Sunntag nach Urbani” auf die Züricher Schützen treffen, die derart schnell angereist sein sollen, daß ein Topf Hirsebrei als Marschverpflegung an Bord des Schiffes noch warm angekommen sein soll. 1580 findet man die Lindauer Schützen am 10. August auf einem Schießen in Tettnang, wo sie in der Wirtschaft zum Rad übernchten.

Die Lindauer richten aber auch selber bedeutende Schießen aus. Am 29. Juli 1554 “hielten die zu Lindau ein Schießen, und ist Graf Ulrich von Tettnang kommen, hat der Graf Boni Schmidlin nit wollen schießen lassen, denn er war ein Barfüsser Monch gewesen.” Von einem Schießen aus dem Jahre 1579 blieb eine lange gemalte Tafel erhalten. Und als im Jahr 1588 “der Graf von Montfort und seine Gemahlin anhero kamen hat man ihnen zu Ehren den gemeinen Büchsenschützen 6 Ellen Seiden Tuch und 2 Ellen Carmoisin zu verschießen gegeben; hat ihro Gnaden auch geschossen.” Nun ist auch zu ersten Mal von gezogenen Rohren die Rede, denn als die Lindauer zu Ihrem Schießen am 15. Juli 1594 einladen, bitten die Bregenzer, gezogenen Rohre gebrauchen zu dürfen, worauf die Lindauer antworten, daß sie selbst auch gezogene Rohre einsetzen werden. Die ausgesetzten Preise im 16. Jahrhundert sind sehr verschieden und reichen von einfachen oder geschmückten Böcken bis zu Silbergeschirr und Geräten - allerdings setzt die Stadt Lindau regelmäßig einen Stoffpreis aus: “ der Stadt Hosen und Barchent”.

17. Jahrhundert

Die Jahre um 1600 bringen den Lindauer SChützen eine Blütezeit: es entstehen neue Schießanlagen und die Schützen feiern großartige Feste und stolze Freischießen. Wohl wegender starken Zunahme des Bürgerschießens haben sich die Armbrustschützen wieder eine eigene Schießhütte am Ufer des kleinen Sees errichtet, so daß nun beide Schiebenstände vor der Achmündung von den Büchsenschützen genutzt werden können. Auf dem Gelände zwischen den beiden Schießhütten, aber auch auf der Sternschanze, am Landtor, am Damm und auf der Römerschanze, wird die Bürgerjugend der Stadt von den Schützenmeistern im Gebrauch der Luntenschloßmuskete unterwiesen. Das Lehrbuch, das für diesen Zweck eingesetzt wurde, ein “ de Gehn” von 1608, findet sich heute noch bei den Büchern der Schützengesellschaft. Auch in den Festlandgemeinden weiten sich die Übungsschießen und Freischießen stark aus. Von den Wällen und Schanzen der Stadt werden Übungsschießen mit Schußwaffen aller Art abgehalten. Die Stadt Lindau erwirtschaftet in dieser Zeit jährlich einen Überschuß von ca. 20.000 Gulden und kann daher die Schützen freigiebig unterstützen. Schon 1599 kann die Stadt daher, als der Herzog von Manua mit seinem Troß am 18. Juni in die Stadt kommt, in kürzester Zeit ein Spalier von 220 wohlgerüsteten Bürgern und Bauer stellen und zusätzlich über 80 Schützen auf die innere Wehr verordnen, die mit Besucher beeindrucken und mit nächtlichen Umzügen mit fliegenden Fahnen, Pfeifen und Trommeln Übergriffen vorbeugen.

1604 findet ein großes Schießen in Wangen statt, bei dem 47 Lindauer Schützen teilnahmen. Diese wurden festlich abgeholt, bewirtet und mit Hosen und Wams beschenkt. 1613 haben die Lindauer Gelegenheit sich zu revanchieren, denn es wird ein großes Schießen mit der Zielbüchs bgehalten, an dem sich 186 Personen beteiligen. Drunter befindet sich auch eine große Anzahl aus Wangen mit ihrem Bürgermeister Specker, sie werden von den Lindauer Schützen mit fliegenden Fahnen, Trommeln und Pfeifen, Böllerschüssen und Feuerwerk empfangen und fortgeleitet. Mit dem Ausbruch des 30jährigen Krieges enden für die Lindauer Schützen die Jahre der Prachtentfaltung. Es folgen nun wechselhafte und oft bittere Zeiten. 1619 werden ab Juni alle Schießhütten wegen Krieg und Teuerung geschlossen. Damals gibt es die Schießstätte an der Achmündung (bei der Toskana) nordöstlich des Brückenkopfes, die Stachelhütte (Armbrustanalge) 300m westlich des Brückenkopfes und die Musketierschießhüte für junge Bürger. In den Jahren 1627 und 1646 werden wieder große Schießen abgehalten. Doch dann muß Lindau1647 die Belagerung durch die Schweden überstehen, wobei die Schießanlagen, die im Vorfeld des Brückenkopfes lagen, schwer in Mitleidenschaft gezogen werden. Schützen und Musketiere müssen nun im Ernstfall zeigen, was sie gelernt haben. Immerhin gelingt es, die Stadt gegen die Schweden zu halten. Nach dem Krieg werden die Schießanlagen nur provisorisch repariert, da man beschlossen hat, die Schießanlage in Zukunft auf der sicheren Insel einzurichten. 1651 findet das letzte Schießen an der Achbrücke statt und im gleichen Jahr wird ds neue Schützenhaus errichtet. Es steht am Damm zur “Burg”, der heutigen Römerschanze, und die Scheibenstände befinden sich im See, etwas in der Mitte des heutigen Segelhafens.

Noch 1651 kann es durch den “Schützenmeister Wolfgang Burtenbach”, der dieses Amt auch 1652 und 1654 versah, mit einem großen Schießen eingeweiht werden. Fast aus jedem Jahr des folgenden Jahrhunderts sind Berichte über Schießen überliefert. Ebenfalls sei 1651 sind fast lückenlos die Kassenbücher des Vereines bis heute erhalten. Welcher Wert damals dem Schießen beigemessen wurde, zeigt eine Verordnung vom 26. April 1682, die auf eine bereits 1551 erlassene hinweist und folgendes bestimmt:

1. Jeder Bürger und Bauer hat des Jahres wenigstens 4mal zu schießen. Erst wenn man die ledige Kurß in Gewehr exerziert, hat er sich unter die selbige zu stellen und exerzieren zu lassen bei 2 Pfennig Strafe.

2. Jeder Bürger und Bauer hat, vor er das Verkundzeichen zum Eintritt in den Ehestand empfangen, sich vor dem Rat mit seinem Ober- und Untergewehr zu präsentieren und darf solches nicht ohne Vorwissen des Schützenmeisters verändern oder verkaufen....”

Obwohl die Bedeutung der Armbrust damals schon gering war und weiter abnahm, wird doch noch im Jahr 1667 eine neue Ordnung für die “Stachelschützen” erlassen. Aus dem Jahre 168 exisitiert ein Inventarverzeichnis, das unter anderem besagt: “Am verguldetem Silbergeschirr 1 B echer von Matheus Rieschen sel wigt 17 1/2 loth, 1 Schälin von Gebr. Humbler wiegt loth 16 1/4, welche sin in den Händen eines jedesmal regierenden Schützenmeisters befinden.”

Am 19. Mai 1692 hielt der Herzog Johann Friedrich von Württemberg auf der Lindauer Schießanlage ein Freischießen: “dabei aufgesteckt 6 Gulden, 3 Gulden dem negsten, dem anderen 2, dem dritten 1, bei 42 SChützen gewann Wolfgang Kaltschmitt 3 Gulden, Johann Ulrich von Kirch 2 und 1 Gulden Georg Fux.

Textfeld: 3. Vom 18. bis 19. Jahrhundert

18. Jahrhundert

In diesem Jahrhundert richten die Lindauer Schützen ca. 80 große und schöne Schießen aus. Das Schießhaus und besonders die Scheibenstände müssen aber immer wieder durch Sturm und Wasser gelitten haben, denn im Rechnungsbuch findet sich z.B. für den 12. Juli 1703 “für Reparierung der Ständ, so das große Wasser ruiniert, den Zeigern 12 Kreuzer”. Im Jahr 1711 scheint die Gesellschaft Geld benötigt zu haben, denn die bereits erwähnten silbernen Schalen und Becher werden um 25,85 Gulden verkauft. Die Lindauer Schützengesellschaft muß damals - auch international - in hohem Ansehen gestanden haen, denn viele auswärtige und ausländische Herren stiften Festgaben. So wird von einem Schießen vom 21. Mai 1714 berichtet: “Ein Extraschießen im Bürstroht aufgelegten in ein gemalt Scheiben des Herrn Bestgebers Wappen bedeutend mit der Überschrift Quid fortius. Der Herr Senditor aber war Monsieur le Fort, Kammerjunker Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht Herzog von Ingermanland Prinz Menzikow.” Bei einem Schießen der Gesellschaft im gleichen Jahr werden als Preise “ 1 Maß Kanten, 1 Hirschfänger, 1 Bügeleisen, 1 Paar Weiberpantoffel und ein Paar Belzener Handschuhe” ausgesetzt. Die Beendigung des spanischen Erfolgekrieges feiert man durch ein Schießen mit einer Scheibe, die die Treue dem Mars zu Füßen liegend vorstellte mit der Umschrift “Als Mars mit Krieg und Streit zu Boden war gebracht und man den Gülden Frieden zu Baden ausgemacht, hat an die Schützen hier in Besten heut gedacht Philip Adam Bentz von Ausgsburg. Anna 1714, 13. August.” Zwei Jahre darauf wird wieder einmal die Bestimmung von 1682 wegen Beteiligung am Schießen ins Gedächtnis zurückgerufen. Dies wiederholt sich noch des öfteren. Die Säumigen wurden mit 1 Gulden bestraft und als auch dies nichts fruchtete und die Ermahnten ihre Gespötte trieben, ließ der Rat den Gulden mit Zuzug eines Soldaten einziehen. Wird das Geld nicht bezahlt, dann bleibt der Soldat als Exekution so lange, bie die Bezahlung geschieht.

Im Jahr 1720 schreibt der damals regierende Schützenmeister Jakob Stadtmiller: “demnach der allmächtige Gott aus Seinem unerforschlichen Rath die liebe Stadt Lindaw durch die 3 Elementen als Luft, Wasser und Feuer erschrecklich heimgesucht und unwiederbringlich Schaden causiert, also daß die erste zwei gleich bei anfangendem Schießen die zwei äußern Scheibenschirm samt Zeigerhäußlin über einem Haufen geworfen, also daß mit dem gewöhnlichen Schießen nicht hat wie sonst können fortgefahren werden, dazu noch den ultimo Juli die entsetzliche Feuersnoth geschlagen, daß eine geraume Zeit das Schießen hat müssen eingestellt bleiben.”

1729 lesen wir zum ersten Mal in Lindau von einem “Hochzeitsschießen” während der Zelebrierung der Hochzeit des H. Kreidmanns von Wien. 1730 bringt am 29. und 30. Juni ein großes Schießen zur 200jährigen Jubelfeier der Augsburger Konfession mit zwei gemalten Scheiben und einer Fahne. Es nahmen 124 Schützen teil und die Stadtkasse verrechent für jeden Schützen 1,5 Maß Wein, 1 Bratwurst und ein weiß Laiblein. 1748 wird ein großes Erinnerungsschießen an den Westphälischen Frieden abgehalten. Auch in den Gerichtsbezirken des Festlandes werden zahlreiche Schießen angeordnet, die unter der Aufsicht des Lindauer Schützenmeisters abgehalten werden: So bereiligten sich am Schießen in Sauters 186, in der Hauptmannschaft Unterreitnau 96 (wo der 84jährige Hauptmann selbst mitgeschossen und keine Scheibe verfehlt hat), in Hergensweiler 209 und in Oberreitnau 212 Schützen. Auch die Geistlichen sollen regen Anteil genommen haben.

In den Jahren vor 1748 wurden im Lindauer Gebiet die neuaugekommenen “Französischen Schlösser” angeschafft, die “Feuersteingewehre” tragen zum ersten Mal ein Steinschloß anstelle der bisherigen Lunternschlösser oder Radschlösser. Für Musketen kommt damals der Ausdruck “Wachtrohr” auf, man bezeichnet damit das große Zielrohr, mit dem aufgelegt geschossen wurde. Die Arkebuse heißt von nun ab “Wachtflinte” und wird wie das “Pürschrohr” (=Radschloßbüchse) von freier Hand gerschossen. Die Wachtflinte nennt man ab 1784 “Stuten”. Am 14. Oktober 1751 hielt man das Jubiläumsschießen zur Erinnerung an die vor 100 Jahren erfolgte Verlegung des Schützenhauses in die Stadt. Immer wieder wird von Schießen berichtet, die ein Graf von Monfort gibt; die Verbindung zu diesem Geschlecht dauert bis zu dessen Erlöschen.

In der Nacht des 26. Juni 1756 warf ein Sturm bei sehr hohem See die Scheibenstände über den Haufen. Da der Wasserstand den ganzen Sommer sehr hoch blieb, war eine Wiederherstellung der Stände nicht mehr möglich und das Schießen mußte für den Rest des Jahres aufgehoben werden.

Am 7. Oktober 1758 findet das Endschießen mit dem großen Zielrohr statt, wo jedem Schützen und den Mitgliedern des großen und inneren Rats eine Bratwurst von 3/4 Pfund, die der Schützenmeister zu Hause hatte braten lassen, überreicht wurde; auch den Frau Schützenmeisterinnen wurden Bratwurst und Brot ins Haus geschickt. Die Bratwurst scheint bei den Jahresendschießen immer gang und gäbe gewesen zu sein, so daß man sie kurzweg “Wurstschießen” nannte.

Im Jahr 1763 wir der abgeschlossenen Hubertusburger Friede zur Beendigung des Siebenjährigen Krieges mit einem feierlichen Jubel- und Preisschießen gefeiert, “Wobei eine Scheibe aufgestellt war mit Venus und Mars in friedfertiger Gestalt und niedergelegten Waffen in vereinigerter Liebe.” Auch die folgenden Jahre bringen viele Schießen mit gestifteten Preisen, gemalten Scheiben und Böllerschießen, so bei der Wahl Kaiser Josephs des Zweiten, ebenfalls bei Leopold dem Zweiten und bei Franz dem Zweiten und bei vielen verschiedenen Hochzeitsschießen. 1770 gibt Lord Baltimore, ein Schütze, als Preis einen Ochs zu 70 Gulden, ein Kalb und einen Bock, sowie eine Ehrenscheibe.

Im Jahr 1796 wurde beschlossen, der Schützengesellschaft von Seiten der Stadt ein jährliches Aversum von 156 Gulden zukommen zu lassen statt der bisher verabreichten Vorteile und Beiträge zur Unterhaltung der Scheibenstände und Anschaffung von Scheiben. Die fürstlich Bretzenheimsche Regierung überließ dann der Gesellschaft die Gebäude als ein Geschenk mit der Verpflichtung, dieselben auf ihre Kosten zu unterhalten. Im gleichen Jahr kam die kurpfälzisch-bayerischee Schützenordnung heraus, die, als Lindau bayerisch wurde, auch für unsere Schützengesellschaft maßgebend wurde.